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Ein gutes Produkt mit Luft nach oben & Nintendo lernt wenig aus dem NES
[Im Test: Super Nintendo Entertainment System Classic Mini, EU Version]

Als das Classic Mini NES von Nintendo released wurde, war der Hype groß und nahezu alle Exemplare in Kürze vergriffen. Der Hype war leider ebenso groß wie der Ärger über Nintendo und das Unverständnis über das schlechte Einschätzen des eigenen Marktes. Bei dem SNES Mini scheint es nun leider kaum anders zu sein, was besonders schade ist, da es eigentlich ein gutes Produkt sowie ein schönes Sammlerstück ist und viele Nintendo-Fans darauf gehofft hatten, wenigstens dieses Mal ein Exemplar ergattern zu können. Aber was bietet das SNES Mini eigentlich und sind die aktuell hohen Preise auf Ebay und Co. gerechtfertigt?

Wir packen das SNES einmal aus: Zuerst fällt uns auf, dass kein Netzteil mitgeliefert wird, sondern der Hersteller sich darauf verlässt, dass ein Mikro-USB-Netzteil zuviel im Haushalt übrig ist, was bei einem Produkt für rund 100€ durchaus dabei sein könnte. Bei der Internetrecherche fällt direkt auf, dass Nintendo selbst ein eigenes Netzteil für etwa 15€ anbietet und darauf hinweist, dass bei der Benutzung anderer Stromadapter jegliche Garantie verfällt – ein NoGo wie wir finden, denn so kostet die Konsole eigentlich 115€ – daraus hätte man gleich ein Bundle machen können.

Positiv hingegen sind die Controller, die absolut originalgetreue Nachbauen des damaligen Controllers sind; nur die Anschlüsse sind etwas anders und müssen hinter einer Frontklappe der Haupteinheit des SNES angeschlossen werden. Optisch sieht das SNES und seine Controller zwar super aus, aber auch hier sehen wir gleich verschenktes Potential: die Klappe wirkt nicht nur unnötig billig angebracht sondern kann im Prinzip auch nie optisch schön verschlossen werden, solange man spielt. Im Prinzip hätte man hier eine Mini-Version der Steckplätze entwerfen können, das wäre nicht nur ästhetisch sondern auch in der Mini-Fassung ein tolles Detail gewesen und hätte die billige Klappe vermieden.

Dass die Buttons auf der Konsole nahezu alle funktionieren ist nicht nur ein nettes Detail, diese haben auch eine angenehme Haptik und gute Druckpunkte. Richtig klasse wäre es allerdings gewesen, wenn die Klappe für die Module nicht nur optisch wäre, aber zu dieser haben wir später noch andere Ideen, was man damit hätte machen können.

Hat man nun das Mini SNES an den Strom sowie die Controller angeschlossen und mit einem (am besten sehr langen) HDMI Kabel am TV verbunden, geht es auch schon los. Das System fährt nahezu sofort hoch und man landet im Spielauswahl-Menü, das insgesamt 21 SNES Klassiker wie Donkey Kong, Mario RPG, Zelda a Link to the Past, Castlevania IV, Final Fantasy 3, Starfox 1 sowie vor allem das bisher nie releaste Starfox 2 uvm. zu bieten hat – letzteres muss man allerdings erst freispielen, indem man das erste Level von Starfox 1 absolviert.

Die Spiele sind allesamt altbewährte Klassiker, über die man wohl nicht viel schreiben muss, da jeder, den diese Konsole interessiert, in erster Linie aus Nostalgie kaufen wird und die meisten Games kennen wird, aber eine solche Mini Konsole natürlich den Vorteil bietet, viele interessante Games in einem Device zu bündeln. Außerdem ein sinnvolles Feature sind die State-Saves, von denen sich durch Drücken des Reset-Buttons pro Game bis zu 4 speichern lassen. Aber auch hier wäre mehr möglich gewesen: Der Speicherplatz, den SNES Roms einnehmen, ist so gering, dass die Anzahl keinesfalls auf 21 beschränkt hätte sein müssen; wo sind z.B. Chrono Trigger, Killer Instinct, Pilot Wings, Lufia und Dergleichen? Zwar ist die Mini Konsole mittlerweile hackbar und spielt potentiell auch eine Vielzahl anderer SNES Roms ab, aber warum konnte Nintendo diesen Bedarf nicht vorhersehen und entweder einen Online-Store für ROMs oder eine echte Modulklappe für verschiedene Spielesammlungen mit einer Art Mini-Modulen ermöglichen? Hier wäre ein potentiell großer erweiterter Markt für Nintendo denkbar gewesen, aber bei Nintendos allgemein unverständlichem Business-Verhalten der letzten 10 Jahre sollte einen wohl nichts mehr wundern.

Insgesamt ist das Mini SNES aber sicher nicht nur ein tolles Sammlerobjekt und überwiegend schön verarbeitet, sondern bietet im Gegensatz zum NES Mini tatsächlich noch heute attraktive und spielbare Inhalte, die teilweise nicht so schlecht gealtert sind wie die NES Games des Vorgängers. Sicher ist das SNES auch eine gute Möglichkeit, einer jüngeren Generation mit einem attraktiven Bundle eine Auswahl verschiedener Retro-Games einfach zugänglich zu machen.
Für den informierten und technisch bewanderten User ist aber sicher ein Hack der Konsole eine wertvolle Option, da sich eigentlich erst dann das volle Potential zeigt, das Nintendo selbst leider verschlafen hat.

Wir freuen uns jedenfalls auf weitere Classic-Konsolen wie den Gameboy sowie vor allem das N64, wobei wir bei beiden Möglichkeiten hoffen, dass dann nicht nur deren Library sondern auch die allgemeine Verfügbarkeit der Einheiten dann größer sein wird, da Nintendo mit dieser entweder künstlich erzeugten oder schlecht geplanten Seltenheit seines Retro-Angebots auf Dauer mehr Frustration bei seinen Fans erzeugt als Freude bei denen, die das Glück hatten, eine Mini-Konsole zu bekommen.

Die 170€ aufwärts bei Ebay und Dergleichen sollte man allerdings nicht ausgeben, da möglicherweise Nintendo diesmal doch noch nachliefern könnte (auch bzgl. des NES) und zudem jeder ROM-Emulator auf einem PC mit angeschlossenem Classic Controller (bis auf das klassische Case der Konsole) nicht nur das gleiche Spielerlebnis bietet sondern auch im Spiele-Angebot deutlich überlegen ist.

 

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