von in News

Die offene Spielekonsole OUYA macht seit einiger Zeit Schlagzeilen. Bisher noch in der Entwicklung, will sie das Exklusivkonzept der etablierten Konsolenhersteller Microsoft, Sony und Nintendo angreifen. Die Offenheit des Internets soll Einzug in die Welt der Spielkonsolen halten. Besonders kleinen Spielentwicklern soll es einfach möglich sein, ihr Spiel über die neue Konsole auf den Fernseher und damit in die Wohnzimmer zu bringen. Die Android-basierte Konsole will das alles für unter 100 US-Dollar erreichen.

Gegen die Großen?

Doch ist die OUYA wirklich Konkurrenz oder Ergänzung in einer Marktlücke?
Sicher ist jedenfalls, dass es momentan für Indie-Entwickler nicht gerade einfach ist ihr Spiel auf das PlayStation Network oder das Xbox Live Network zu bringen. Es müssen Lizenzen erworben werden, und ein langwieriger Prozess ist notwendig bis das Spiel endlich erscheint. Im Gegensatz dazu will die OUYA für alle Entwickler offen sein und einfache Publizierung erlauben.

Allerdings befindet sich die Konsole in einem Preissegment, das deutlich unter den „großen“ Spielekonsolen PS3 und Xbox liegt und selbst die „kleine“ Wii ist nicht für 99$ zu haben. Weiter werden grafisch sehr aufwändige Spiele vermutlich nicht auf der OUYA laufen, dieses Spielesegment wird den etablierten Konsolen vorbehalten bleiben, auch wenn die Entwickler der OUYA von AAA-Game Support sprechen, also auch Ego-Shooter mit hochwertiger Grafik unterstützen wollen. Die OUYA könnte also statt den etablierten Konsolen Marktanteile ab zuknüpfen eher neue Spieler vom PC vor den Fernseher locken.

Entwicklung leicht gemacht

Die rasant wachsende Indie-Entwicklergemeinde könnte sich jedenfalls auf die Konsole stürzen. Einige Spielentwickler, darunter auch Brian Fargo (Fallout), Adam Saltsman (Canabalt) und Markus Persson (Minecraft), haben sich bereits positiv zum Konzept der Konsole geäußert. Unity Technologies, Entwickler der Spieleengine Unity 3D, ist Launch Partner. Unity wird die OUYA also von Anfang an unterstützen und eine solide Entwicklerbasis bieten. Gleichzeitig wird jede Konsole mit einem modifizierten kostenlos nutzbaren Android SDK ausgeliefert.
Eine Besonderheit: alle Spiele müssen zumindest eine kostenlos spielbare Demo oder einen kostenlosen Spielmodus haben. Von den Verkäufen der Vollversionen oder Ingame-Gegenständen bekommt der Entwickler 70% der Einnahmen, 30% gehen an OUYA.

„Hackers welcome“

Mit diesem offenen Konzept will der Hersteller Entwickler aller Art anlocken, Hardwareerweiterungen steht OUYA genauso offen gegenüber wie Softwaremodifikationen. Entsprechend darf das Gerät auch einfach so mit neuer Software bespielt werden und Konsole und Controller sind verschraubt und lassen sich einfach öffnen. Dadurch verfällt dann nicht einmal die Garantie. Jedes Gerät verfügt über eine Fehler-Konsole. Hardwareentwickler bekommen zudem eine Dokumentation der PCB-Testpunkte, wodurch das verbinden eigener Hardware erleichtert werden soll.

Ein Rubikswürfel verpackt in ansprechendes Produktdesign

Zugegeben, PS3 und die Xbox sehen ja mittlerweile ganz gut aus, und auch die „Zigarettenschachtel“ Wii hat einen gewissen Charme. Die OUYA, gestaltet von Yves Behar, dem Designer des One Laptop Per Child Notebook, bewegt sich hier jedoch auf einem anderen Niveau. Mit ihrer Oberfläche aus gebürstetem Aluminium stiehlt sie den Plastikkonsolen die schau. Zudem ist die OUYA wirklich winzig. Sie soll, laut Julie Uhrman (Gründer und CEO), nur die Größe eines normalen Rubiks-Zauberwürfel haben. Derzeit ist sie nur in Silber und als Kickstarter-Sonderedition in Braun erhältlich. Aufgrund der Aluminiumoberfläche bieten sich weitere Farbvarianten jedoch an. Möglicherweise werden die dann auch separat verkauft, denn die Konsole lässt sich ganz einfach auseinander schrauben, so dass der Wechsel des Aluminiumgehäuseteils kein Problem sein dürfte.

Der Controller sieht aus wie einem Mischung aus PS3 und Xbox-Controller mit einem Extra an Produktdesign. Auch hier ist die gebürstete Aluminiumoptik das markanteste Designmerkmal. Hauptunterschied zu herkömmlichen Controllern: ein integriertes Touchpad, welches für mobile Geräte entwickelten Spielen den Wechsel erleichtern soll. Fürs erste wird die Konsole zwei Controller unterstützen, ob man später mit bis zu vier Controllern spielen können wird steht laut Uhrmann derzeit noch offen. Update: jetzt wurde die offiziell bestätigt, dass 4 Controller möglich sind.

Die Konsole selbst basiert auf einem Tegra3 Quad-Core Prozessor mit 1 GB RAM, 8 GB internem Flash-Speicher, HDMI-Ausgang, sowie 802.11 b/g/n WiFi, Bluetooth LE 4.0 einem USB 2.0 Anschluss und – ganz besonders – einem Ethernetanschluss. Hierdurch wird es einfach sein den recht kleinen Speicher durch externe oder Netzwerkfestplatten zu ergänzen. Mit dem Tegra3-Prozessor sollen HD-Spiele möglich sein. Wie bereits erwähnt soll sie nur ca 6x6x6cm groß sein – so groß ist wenigstens mein Zauberwürfel.

Die Software der OUYA basiert auf Android 4.0, entsprechend werden wohl die meisten Android-Spiele recht einfach angepasst werden können. Die Oberfläche Passend dazu wird es einen Marktplatz geben, ähnlich der XBLA und dem PSN. Außer Spielen wird es auch eine App für den Streamingdienst twitch.tv geben, weitere Android-Apps werden vermutlich portiert werden.

Noch 3 Tage Vorbestellung möglich

Bei Kickstarter läuft das Projekt noch knapp 3 Tage und liegt derzeit mit 6,8 Millionen Dollar auf Platz 2 der meistfinanzierten Projekte. Eine Konsole kostet schlappe 80 Euro, für 25 Euro Aufschlag bekommt man einen zweiten Controller, hinzu kommen 16 Euro internationaler Versand.

Für uns im GameLab hört sich das alles sehr spannend an. Wir sind natürlich mit dabei wenn die OUYA im März 2013 auf den Markt kommt.

 

Update:

Es springen immer mehr Anbieter auf den Zug. Das Mediacenter XMBC wird mit seiner gerade angekündigten Android-Version die OUYA unterstützen. Mit OnLive wird es Spielestreaming für die Konsole geben und Internetradio wird über TuneIn und iHeartRadio verfügbar sein. Wir sind gespannt was als nächstes kommt…


Wir bedanken uns besonders bei Julie Uhrman, Gründerin und CEO von OUYA für die Beantwortung einiger Fragen. Alle Bilder mit Erlaubnis von OUYA.

6 Responses to “OUYA – die Revolution der Spielekonsole?”

  1. David

    Hi Dirk,

    diie erste Lieferung an die Kickstarter-Vorbesteller soll ja im März 2013 raus gehen. Ich nehme an, dass der normale Marktstart dann nicht mehr lange auf sich warten lässt. Genauere Daten habe ich aber keine, zumal bei Überfinanzierten Kickstarter-Projekten ja der Trend zur Verspätung geht.

    Grüße,
    David

    Antworten
    • David

      Ja, das ist wirklich toll. So wird die OUYA, gerade auch durch den Netzwerkanschluss zur Mediakonsole mit Streaming und allem drum und dran. Zudem gibt’s auch noch Spielestreaming über OnLive und Internetradio über TuneIn und iHeartRadio! Toll wie schnell sich das entwickelt. Ich glaube bis zum Marktstart werden da noch einige andere Anbieter aufspringen.
      Hab gerade noch drei neue Fotos dazu gestellt 🙂
      P.S.: noch 14 Stunden 🙂

      Grüße,
      David

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