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Als die Ankündigung von „Shadow of the Colossus“ für die PS4 zum ersten Mal als Trailer auf der E3 2017 lief, war ich zuerst ein wenig überrascht – wieder ein Remaster? Es gab doch schon vor einigen Jahren ein PS3-Remaster dieses Klassikers und überhaupt scheint es gerade in der Gamesindustrie eine Flut davon zu geben, weil hier mit alten Releases ohne viel Risiko und recht einfach Geld zu verdienen ist. Allerdings zeigte mit die vollkommen überarbeitete Grafik von „Bluepoint Studios“ bereits im Trailer, dass dieses „Shadow of the Colossus“ nicht als Remaster sondern komplettes Remake nochmal ein fast gänzlich neues Erlebnis werden könnte.

Und das wurde es auch. Nachdem ich im Februar 2018 dann endlich in den Genuss dieser überarbeiteten Version kam, überkam mich nicht nur eine Flut von Nostalgie sondern vor allem eins: das gleiche Staunen wie damals 2005 über ein spielerisches Meisterwerk und ein Erlebnis, das sich in dieser Form aktuell leider kaum in der Games-Industrie findet. Bereits im Intro wirkten die Szenen aufs Neue bildgewaltig und majestätisch, was mich erstmal sehr überraschte, denn bestimmt habe ich dieses Game im Laufe der Zeit schon an die 20 Male durchgespielt und dennoch konnte man hier bereits neuen frischen Wind erkennen.

Obwohl ich normalerweise eher Wert auf gutes Gameplay als auf Grafik lege, musste ich hier neidlos anerkennen, welchen Wert die vollkommene grafische Überarbeitung sämtlicher Assets, Belichtungssysteme, Figuren und Texturen bieten kann. So ritt ich, noch bevor ich den ersten Koloss stellte, zuerst einmal mit Wanda und seinem Pferd Agro in den Wald in der Nähe des Towers, um zu schauen, was sich hier atmosphärisch getan hatte, und das war eine ganz Menge. Selten habe ich in Spielen einen so authentischen Wald vorgefunden, sowohl in Sachen Belichtung, Sound-Design, Größe der Bäume als auch der Dichtheit und Varianz der Pflanzen. Ich verbrachte hier sicher erst einmal eine gute halbe Stunde, in der ich einfach nur die Atmosphäre genoss und mich umschaute.

Dieses Feeling und der Spaß am Erkunden blieb durchweg bestehen und ich erinnerte mich, wie ich bereits vor 13 Jahren auf der PS2 ähnlich viel Zeit nur mit der reinen Erkundung der Spielwelt verbracht hatte und nun wieder versuchte, alle geheimen Orte zu entdecken, alle Früchte und Echsen, die in der Welt versteckt waren, zu finden und stieß dabei auch auf neue kleine Eastereggs, die die Entwickler von Bluepoint in diese Version mit eingebaut hatten. Auch die Kolosse waren wieder ein teilweise neues Erlebnis, da Fell und Steintexturen so detailverliebt umgesetzt worden waren, dass man hier als Spieler sich nun noch näher am Erlebnis fühlte, was auch durch das nun deutlich differenziertere und direktere Sounddesign unterstrichen wurde.

Bei aller Nostalgie stellt Shadow of the Colossus aber auch heute noch ein Beispiel für Modelle von explorativen Games dar, wie man sie aktuell kaum findet, sodass mittlerweile vor allem von großen Publishern behauptet wird, es brauchte solche Erlebnisse nicht mehr, denn diese seien nicht streamlined genug (und dergleichen) und zögen daher keine großen Usermassen mehr an. Das mag für diese Publisher ja stimmen und es gibt sicher auch einige kritische Stimmen zum neuen Shadow of the Colossus, denen das Game „zu wenig Content“ oder „zu wenig Collectibles“ bietet, die die Mechaniken trotz modernisierter Steuerung für zu antiquiert halten oder neuartige Gameplaymechaniken einfordern – aber sind all das wirklich Probleme mit diesem Spiel, oder vielleicht doch eher Phänomene eines Gaming-Mainstreams, der durch die AAA-Titel der letzten 10 Jahre an einen recht einheitlichen Standard für Games gewöhnt wurde?

Mir jedenfalls fehlt diese Art von Games in der aktuellen Industrie sehr, denn es gibt seitens der größeren Publisher kaum noch Experimente und Innovationen oder einfach nur spielerische Erlebnisse, in denen es primär um das Erleben einer Welt geht; aktuell findet man solche fast nur noch im Independent Bereich, was in der Allgemeinheit leider zu geringeren Ansprüchen an ein eigentlich fantastisches und vielseitiges Medium zu führen scheint. Daher hoffe ich persönlich, dass dieses PS4-„Shadow of the Colossus“ noch einmal zeigen kann, wie viel mehr Games sein können als reines Entertainment.

Spielt das Teil mal selbst und lasst gern Euer Feedback dar – ist diese Version ein neues/altes Meisterwerk oder glaubt Ihr, dass dem Titel doch zuviel Nostalgie und Verklärung anhängt?

 

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